23.12.2022

Offener Brief an Bundesgesundheitsminister Lauterbach

Aus dem Unternehmen – Am 29. November 2022 wählt InfectoPharm als mittelständischer Spezialist für Kinderarzneimittel die Form eines offenen Briefes an Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach, um auf die kritische Situation in der Versorgung von Antibiotika-Säften für Kinder hinzuweisen.

Nach den Fiebermitteln sind auch Antibiotika-Säfte für Kinder von Lieferengpässen bedroht oder bereits betroffen. Die Gründe dafür sind komplex, lassen sich aber aus Sicht des Unternehmens vor allem auf eklatante und lange aufgeschobene Mängel in der Gesundheitspolitik zurückführen. Ausdrücklich warnt InfectoPharm vor einer weiteren raschen Verschlechterung der Situation, gerade – aber nicht nur – im Bereich der Kinderarzneimittel.

Ein dringend notwendiges Zeichen

Lesen Sie über die offene Argumentation und die notwendigen Maßnahmen des Unternehmens sowie über die nachfolgenden Reaktionen in Medien und Politik. Welche Auswege sind denkbar.


Offener Brief von InfectoPharm vom 29.11.2022

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Original:

Ab Dezember: Viele Antibiotika für Kinder nur mit Zuzahlung erhältlich

Sehr geehrter Herr Prof. Lauterbach,

wir möchten Sie darüber informieren, dass wir zum 1. Dezember 2022 die Preise unserer Antibiotika-Säfte für Kinder über Festbetrag anheben werden.

Damit wird ein großer Teil aller für Kinder verordneten Antibiotika-Säfte nur noch mit Zuzahlung erhältlich sein. Wir bedauern außerordentlich, dass dieser Schritt jetzt erforderlich wird.

1988 als Familienunternehmen gegründet, hat InfectoPharm stetig die Antibiotika-Therapie für Kinder verbessert, z. B. durch höher konzentrierte Säfte mit besserem Geschmack. Alle antibiotischen Wirkstoffe, die der Kinderarzt für seine Basistherapie benötigt, bieten wir an. Bis heute sind unsere hochkonzentrierten Präparate einzigartig und somit in der Apotheke nicht austauschbar. Dennoch haben wir sie bis jetzt zum Festbetrag und somit zuzahlungsfrei angeboten.

Die Mehrzahl unserer Antibiotika-Säfte ist festbetragsgeregelt, teilweise bereits seit Mitte der 90-er Jahre. Jeweils mit Einführung einer Festbetragsgruppe ging es durch Anpassungen mit unseren Verkaufspreisen nur abwärts, während unsere Kosten ständig gestiegen sind (z. B. durch erhöhte Material- und Personalkosten, steigende regulatorische Anforderungen, zusätzliche Anforderungen wie Serialisierung oder Zwangsrabatte). Unseren Amoxicillin-Saft (InfectoMox 250 Saft 100 ml) verkaufen wir z. B. seit 2010 unverändert für einen Nettopreis von 1,65 €, dieser Preis lässt sich wirtschaftlich nicht mehr darstellen.

Inzwischen rollt die nächste Kostenwelle und die Margen sind weitgehend aufgebraucht oder die Produkte sogar defizitär – nicht nur bei uns: Bei Cefadroxil und Cefixim sind wir mittlerweile der einzige Anbieter von Saft-Präparaten in Deutschland. Alle klassischen Generikahersteller haben sie bereits aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt, denn beide Antibiotika-Säfte sind ausschließlich mit Tabletten für Erwachsene in einer Festbetragsgruppe geregelt. Die wesentlich niedrigeren Absatzmengen und die deutlich höheren Produktionskosten für eine Kinderdarreichungsform werden im Festbetrag nicht berücksichtigt und machen den Vertrieb dieser dringend notwendigen Kinderarzneimittel unwirtschaftlich.

Bei Amoxicillin und Penicillin Säften ist die Mehrzahl der Anbieter aus besagten Gründen auf unbestimmte Zeit lieferunfähig. Noch können wir sporadisch einspringen, aber es ist absehbar, dass es in diesem Winter zu erheblichen Versorgungsengpässen für Kinder kommen wird. Jahrelang wurde vor diesem Szenario gewarnt, es hätte vermieden werden können.

Wir möchten nochmals betonen: Wir bedauern die Notwendigkeit dieses Schrittes sehr, weil viele einkommensschwache Familien dadurch zusätzlich belastet werden. Eine Preiserhöhung über Festbetrag, verbunden mit einer Zuzahlung für Patienten, versuchen alle Anbieter daher unbedingt zu vermeiden. Dies geht so lange gut, bis ein Anbieter nach dem anderen aufgibt und es zwangsläufig zu ungewollten Marktkonzentrationen kommt.

Wir wählen die Form des offenen Briefes, um auch der Öffentlichkeit unser Dilemma zu erklären. Wir hoffen, dass auch Sie diese kritische Versorgungslage richtig einschätzen und rasch handeln werden. Für einen konstruktiven Dialog zur schnellen Verbesserung der aktuellen Situation stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

InfectoPharm Arzneimittel

Philipp Zöller
Geschäftsführender Gesellschafter                                                     

Dr. Markus Rudolph
Geschäftsführer

 

Offener Brief – Reaktionen in den Medien

DAZ-online: 30.11.2022

Offener Brief an Lauterbach

Infectopharm sieht Antibiotika-Versorgung für Kinder gefährdet

Diana Moll, Apothekerin und Redakteurin, Deutsche Apotheker Zeitung

„Arzneimittel-Lieferengpässe sind für Apotheken schon lange ein schwieriges Thema. Die Engpässe bei Fiebersäften für Kinder dieses Jahr haben auch der breiten Masse ein Gespür für das Problem gegeben. Jetzt gibt Infectopharm bekannt, sich dazu gezwungen zu sehen, seine Preise für Antibiotika-Säfte für Kinder anzuheben. Denn es sei absehbar, dass es im Winter zu erheblichen Versorgungsengpässen bei Antibiotika-Säften für Kinder kommen werde.“ [weiterlesen]

 

DAZ-online: 14.12.2022

Lieferengpässe bei Kinderarzneimitteln (Teil 2): Die Industrie

„Inflationsausgleich bei Festbeträgen einpreisen“

Irene Habich, Autorin, DAZ.online

„Engpässe bei Kinderarzneimitteln sind aktuell in den Apotheken das Thema. Nach Fiebersäften werden nun auch Antibiotika knapp. Das frustet nicht nur das Apothekenpersonal, sondern auch die Industrie. Was sind die Ursachen der Misere und wie könnte man sie lösen?“ [weiterlesen]

 

Pharmazeutische Zeitung online: 30.11.2022

Brandbrief

Infectopharm erhöht Preise und warnt Lauterbach

Benjamin Rohrer, Chefredakteur Pharmazeutische Zeitung – Redaktion Berlin

„Antibiotika und Fiebersäfte sind ohnehin schon von massiven Lieferausfällen betroffen. Einer der wichtigsten Hersteller solcher Arzneimittel, Infectopharm, sieht sich gezwungen, die Preise über Festbetrag zu erhöhen – ab morgen. Das Unternehmen warnt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor weiteren Engpässen vor allem bei Darreichungsformen für Kinder, wenn sich nichts am Festbetragssystem ändert.“ [weiterlesen]

 

Pharmazeutische Zeitung online: 15.12.2022

Infectopharm

„Wir mussten ein Zeichen setzen“

Benjamin Rohrer, Chefredakteur Pharmazeutische Zeitung – Redaktion Berlin

„Bei einigen Antibiotika-Präparaten für Kinder der Firma Infectopharm müssen Eltern in der Apotheke jetzt Aufzahlungen leisten. Der Hersteller hatte die Preise über Festbetrag erhöht, um ein politisches Zeichen zu setzen. Im PZ-Interview erläutert Geschäftsführer Philipp Zöller, warum das Festbetragssystem aus seiner Sicht dringend reformiert werden müsste.“ [weiterlesen]

Stellungnahme InfectoPharm zum Eckpunktepapier vom Bundesgesundheitsministerium am 16.12.2022

In:

apotheke adhoc: 21.12.2022

Firmenchef hofft auf schnelle Umsetzung

Kinderarzneimittel: Infectopharm freut sich über Eckpunkte

Patrick Hollstein, Chefredakteur

„Als „Weihnachtsgeschenk“ für die Kinder hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) seine Eckpunkte bezeichnet, mit denen er die Arzneimittelversorgung insbesondere im Bereich der Pädiatrie verbessern will. Ein Unternehmen, das sich auf diesen Bereich spezialisiert hat, ist Infectopharm. Geschäftsführer Dr. Markus Rudolph hofft, dass die Ankündigungen auch umgesetzt werden.“ [weiterlesen]


Nachlesen: BMG Eckpunktepapier 16.12.2022: Vermeidung von Lieferengpässen von Arzneimitteln, Verbesserung der Versorgung mit Kinderarzneimitteln und Stärkung des Produktionsstandorts EU [weiterlesen]

apotheke adhoc: 16.12.2022
Lauterbach will Engpässe überwinden
„Was immer dafür notwendig ist“
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