23.03.2026

Penicillin-Säfte gibt es hier nur noch von uns

Artikel aus dem „Handelsblatt“ am 16.03.2026Der Kinderarznei‑Spezialist Infectopharm ist in vielen Segmenten Alleinanbieter und setzt auf ein unkonventionelles Vertriebsmodell. Lesen Sie hier den Originalartikel.

Wiedergabe mit ausdrücklicher Genehmigung

Autorin: Maike Telgheder

„Penicillin-Säfte gibt es hier nur noch von uns“

Der Kinderarznei‑Spezialist Infectopharm ist in vielen Segmenten Alleinanbieter und setzt auf ein unkonventionelles Vertriebsmodell. Chef Philipp Zöller erklärt die Strategie.

Heppenheim. Wer Kinder hat, kennt womöglich den Namen Infectopharm. Das hessische Unternehmen ist damit erfolgreich geworden, Antibiotika mit Fruchtnote als Saft für kleine Patienten anzubieten. Heute ist Infectopharm in manchen Segmenten im Arzneimittelmarkt quasi Alleinanbieter in Deutschland. „Penicillin-Säfte gibt es hier nur noch von uns“, sagt Philipp Zöller, der das Unternehmen in zweiter Familiengeneration führt.

Aus dem Antibiotikabereich haben sich viele große Hersteller in den vergangenen Jahren zurückgezogen, weil die anspruchsvolle Produktion bei niedrigen Erstattungspreisen der Krankenkassen nicht mehr wirtschaftlich war. Boten 2003 noch elf Anbieter Penicillin-Saft für Kinder in Deutschland an, so deckt Infectopharm nach eigenen Angaben heute rund 100 Prozent des deutschen Marktes ab.

„Wir bleiben, weil wir uns verpflichtet fühlen, die Patienten zu versorgen“, sagt Zöller.

Mittlerweile sei die Produktion von Penicillin-Säften auch wieder etwas wirtschaftlicher – seit 2023 der damalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nach massiven Lieferengpässen per Gesetz die Preisregeln für Kinderarzneimittel lockerte und den Herstellern einmalige Preisaufschläge ermöglichte. „Wenn die Produktionskosten aber weiterhin stark steigen, kann sich das schnell wieder ändern. Die Erstattungspreise sind gedeckelt“, sagt der 41-jährige Firmenchef.

Infectopharm sucht sich aber auch bewusst Nischen aus. Clotrimazol-Ohrentropfen sind so ein Beispiel, die etwa bei Pilzinfektionen nach dem Schwimmen eingesetzt werden.

Zwischen fünf und zehn neue Produkte führt Infectopharm nach Angaben Zöllers jedes Jahr neu ein. Vielfach sind es neue Darreichungsformen bekannter Wirkstoffe.

Aber auch neue Medikamente, wie die Aknecreme Winlevi, die 2025 die Zulassung in Europa erhielt. In den vergangenen Jahren wurde Infectopharm mehrfach als eines von Deutschlands innovativsten Unternehmen ausgezeichnet: Den Preis verlieh das Wirtschaftsmagazin „Capital“ in Zusammenarbeit mit dem Datenanalyse-Haus Statista.

Philipp Zöller, Geschäftsführer von InfectoPharm

Infectopharms größter Verkaufserfolg ist ein Antibiotikum

Infectopharm wurde 1988 von Monika und Manfred Zöller gegründet. Ihre Vision: Kinder brauchen besondere Arzneimittel, die gut schmecken und gerne eingenommen werden. Mit zunächst nur drei Antibiotikasäften wuchs das Unternehmen schnell.

An den Wochenenden besuchte das Ehepaar Arztkongresse, um Kontakte zu knüpfen. Mit dabei: die beiden Kinder Anna und Philipp. „Unsere Eltern haben uns vorgelebt, dass es Spaß macht, zu gestalten und ein Unternehmen zu führen. Sie haben uns gelehrt, dass jede Herausforderung den Kreativen auch Chancen bietet, und wenn es in einem Bereich enger wurde, haben sie Chancen in einem anderen gesehen“, sagt Philipp Zöller.

Dass die Kinder in das elterliche Unternehmen einsteigen wollten, sei schnell klar gewesen: Beide entschieden sich für ein Studium der Pharmazie. Als Manfred Zöller 2011 unerwartet im Alter von 63 Jahren starb, rückten Anna und Philipp in die Geschäftsleitung nach und unterstützen die Mutter. Mitte 2020 übergab Monika Zöller den Vorsitz der Geschäftsführung an ihren Sohn Philipp.

Mittlerweile ist die Infectopharm-Gruppe „über die Kinderarzneimittel hinausgewachsen“, wie es Zöller formuliert. Das Unternehmen mit zuletzt 330 Millionen Euro Umsatz ist in der Dermatologie vertreten sowie bei Erkrankungen im HNO-Bereich. Außerdem gibt es ein großes Krankenhausgeschäft: Das Antibiotikum Fosfomycin, das in den Kliniken intravenös den Patienten verabreicht wird, ist das größte Produkt des Unternehmens aus Heppenheim.

Erwerb von Ritalin war der größte Zukauf

Das zweitgrößte Medikament hat das Familienunternehmen vor wenigen Jahren vom Pharmakonzern Novartis erworben: 2022 übernahm Infectopharm die Zulassung und den Vertrieb des verschreibungspfl ichtigen Medikamentenportfolios der Marke Ritalin. Das Mittel mit dem Wirkstoff Methylphenidat wird primär zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern ab sechs Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen eingesetzt.

„Das war der mit Abstand größte Zukauf in der Unternehmensgeschichte“, sagt Zöller. Details zur Transaktion nennt er nicht. Infectopharm vertreibt das Produkt in 19 Ländern. Rund 35 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet Infectopharm inzwischen außerhalb Deutschlands. Niederlassungen gibt es in Österreich, Italien, Frankreich, Großbritannien und seit Anfang des Jahres auch in Polen.

Mit der Bekanntgabe von Geschäftszahlen ist das Familienunternehmen sehr zurückhaltend. Laut Zöller hat man sich das langfristige Ziel gesetzt, jedes Jahr um rund zehn Prozent zu wachsen. Das sei 2025 auch gelungen, sagt er. Laut dem jüngsten veröffentlichten Geschäftsbericht wächst Infectopharm sehr profitabel.

2024 stieg der Umsatz um 7,6 Prozent auf 300 Millionen Euro, der Jahresüberschuss erhöhte sich um mehr als 27 Prozent auf rund 85,6 Millionen Euro. Der operative Cashflow – die liquiden Mittel nach Betriebsausgaben – legte um mehr als 20 Prozent auf 106 Millionen Euro zu. Die Eigenkapitalquote ist mit 87,2 Prozent sehr hoch.

Laut einer 2024 veröffentlichten Analyse der Creditreform-Gruppe gehört Infectopharm zu den krisensichersten Unternehmen in Deutschland. In einer Gruppe von mehr als 3650 untersuchten Unternehmen unterschiedlichster Branchen belegt das Unternehmen den 42. Platz.

Firmensitz InfectoPharm in Heppenheim

Produziert wird vor allem bei Lohnherstellern

Die hohe Profitabilität führt Zöller vor allem auf die schlanken Strukturen im Unternehmen mit insgesamt 450 Beschäftigten zurück. Im Gegensatz zu anderen Pharmaunternehmen arbeitet Infectopharm ohne einen klassischen Außendienst.

Bereits von den Eltern wurde das „Consilium“ gegründet, ein Fortbildungskonzept für Ärzte, aber auch Apothekenteams und Hebammen, dessen Inhalte wissenschaftlich und „100 Prozent unabhängig von unseren Präparaten“ erstellt werden – zertifiziert durch die Landesärztekammern, wie Zöller sagt.

Das Consilium umfasst Fortbildungen, Publikationen, Podcasts sowie den kontinuierlichen Dialog mit Ärzten, der das Unternehmen eben auch auf Ideen für neue Produkte und Engagements bringt. So hat sich Infectopharm jenseits des Arzneimittelbereichs mit der Firma Sonormed und deren Tinnitus-Digitaltherapie verstärkt.

Im vergangenen Jahr beteiligte sich Infectopharm auch als Investor am Berliner Pharmaunternehmen Audiocure, das einen Wirkstoff zur Behandlung des Hörsturzes erforscht. „Wir sind offen dafür, unser Angebot zu erweitern, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Wir sehen das pragmatisch“, sagt Zöller. „Wenn wir einem Patienten helfen können, ist es für uns unerheblich, ob es Kosmetik, ein Nahrungsergänzungsmittel, ein Medizinprodukt, ein Arzneimittel oder eine Digitaltherapie ist.“

Die vergleichsweise hohe Profitabilität erreicht Infectopharm auch deshalb, weil es selbst keine große Produktion betreibt. Die mehr als 140 Produkte werden vor allem von rund 50 Lohnherstellern produziert. „Es macht keinen Sinn, für unsere Produkte jeweils eine eigene Produktion aufzubauen. Da erreichen wir nicht die nötige Auslastung“, sagt Zöller.

Nur einmal hat Infectopharm eine Ausnahme gemacht und 2020 Beyvers gekauft. Der Berliner Hersteller von flüssigen und halbfesten Arzneimitteln (Cremes) ist für die Heppenheimer strategisch wichtig. Als es dort eine Nachfolgethematik gab, wollte Infectopharm mit der Übernahme den Fortbestand sichern. Aktuell wird in Berlin auch kräftig investiert: 40 Millionen Euro steckt Infectopharm in den Ausbau der Produktion.

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Bitte wenden Sie sich mit Ihrem Anliegen an austria.kontakt@infectopharm.com

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